Museum / Installation

Interaktive Installation im Barbican zu Ehren von Sir Simon Rattle

Bei der Uraufführung seiner Enigma-Variationen 1899 in London ahnte Elgar wahrscheinlich noch nicht, wohin sie – in Kombination mit ungeahnten Technologien – mehr als ein Jahrhundert führen würden.

Die 14 Variationen von Elgar – von dem Komponisten mit der Widmung „My friends pictured within“ versehen – sind die Inspiration für Interlock: Friends Pictured Within, eine interaktive Projektion von 14 Videos und Tonspuren, die durch Fußsensoren ausgelöst werden, wenn man darauf tritt. Die Installation war Teil der Feierlichkeiten für Sir Simon Rattle im Barbican in London, einem führenden internationalen Kunst- und Lernzentrum. Die Installation könnte das Thema Beziehung kaum besser repräsentieren, denn sie ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von 150 Beteiligten, die den Content erstellt haben, der Besucher, die damit interagiert haben, und sogar der Christie Pandoras Box-Community, die die Ausführung unterstützt haben – von der Überblendung über den Output bis hin zum Ausschalten der Projektoren nach Feierabend.

„Das Interessante an der Installation ist, dass sie zeigt, wie flexibel die Pandoras Box ist. Viele denken bei den Servern an riesige Live-Events, doch die modulare und skalierbare Lösung kann mit jedem beliebigen Output, arbeiten – egal ob Licht, Geräte oder Software. Erfreulich war auch, dass das Barbican mit der vorbereitenden Schulung mehr als zufrieden war– 100 Prozent maßgeschneidert und 100 Prozent anwendbar“, so James Belso, Sales Manager, Christie.

 

 

Multimedia-Installation

Alles fing damit an, dass der weltberühmte Dirigent Sir Simon Rattle nach 15 Jahren seine Rückkehr nach London ankündigte, um die Stelle als Music Director des London Symphony Orchestra (LSO) anzutreten. Große Neuigkeiten für die internationale Kunstszene; London begann mit den Vorbereitungen. „Vor zwei Jahren wurde ich von Sir Nicholas Kenyon, Managing Director des Barbican, gebeten, eine Idee für Sir Simon Rattle als Künstler in Verbindung mit dem Barbican und der Guildhall School of Music & Drama zu entwickeln. Sir Simon entschied sich für seinen ersten Auftritt mit dem LSO für Elgars Variationen, also verknüpften wir einen Teil unserer Feierlichkeiten damit“, so Anna Wilson, Barbican Guildhall Creative Learning Producer. Sie wählte Jonathan Munro als Hauptkünstler aus, den sie eine „Rarität“ nennt: „Jonathan ist ein Multimedia-Künstler. Er entwickelt Installationen, kann gestalten und modellieren und arbeitet liebend gern mit Tönen und Bildern. Er ist ein hervorragender Projektmanager und ein Computerexperte, der Kindern das Programmieren beibringt und das gesamte technische und künstlerische Werk realisieren könnte.“

Für die AV-Technik war Tim Bifield, Technical Manager, zuständig. Eine der grundlegendsten Herausforderung war, dass sich die Installation auf engstem Raum befand und teilweise aus nur einem Meter Abstand betrachten werden sollte. Die Lösung: zwei Projektoren der Christie GS-Serie, die mit 7,500 Lumen auch angesichts des Umgebungslichts hell genug waren. Zudem handelte es sich, wie bei vielen der Christie Projektoren im Barbican, um Laser-Phosphor-Projektoren mit einer längeren Laufzeit, sodass zusätzliche Kosten für Lampen gespart werden konnten. „Die Bildqualität des GS ist auch aus nächster Nähe großartig. Außerdem sind die Projektoren sehr leise, ebenfalls ideal für den Raum, vor allem da sie an einer sehr niedrigen Decke befestigt wurden“, kommentierte Bifield.

 

Überblendende Projektion mit Pandoras Box

Eine weitere Herausforderung war die Überblendung. Um eine gute Bildqualität zu erreichen und das Bild angesichts seiner Breite bei geringem Abstand – und des Winkels von der Decke – unverzerrt darzustellen, waren zwei Projektoren nötig. „Das Bild sollte perfekt sein, also benötigte ich die bestmögliche Überblendung“, so Bifield. Die Künstler entschieden sich hierfür die Pandoras Box zu verwenden, um auch Inhalte einfach ändern zu können. Wenn beispielsweise an einem Tag ein Logo angezeigt werden sollte, konnte es in eine bereits erstellte Überblendung eingefügt werden. Die Linien von beiden Projektoren mussten millimetergenau abgestimmt werden, da die Projektion aus nur einem Meter Entfernung betrachtet werden sollte. „Ich kenne keine andere Lösung, die derart genau ist. Jonathan und ich stimmten die Linien in Pandoras Box mit dem Warper-Tool aufeinander ab. Der Warper ermöglicht eine hohe Detailgenauigkeit und wird oft für gekrümmte oder 3D-Oberflächen verwendet. Da die Wand weder flach noch gerade ist, konnten wir das Bild auf diese Weise perfekt an die Krümmung der Wand anpassen“, kommentierte Bifield.

 

Live-Input in Echtzeit mit Mac Software

Für die Interlock-Installation wurde eine eigene Apple Mac-Software verwendet. Jonathan programmierte die Interaktivität und alle Videos mit der MAX-Software so, dass sie durch entsprechende Fußsensoren auf dem Boden ausgelöst wurden. Auch hier vereinfachten die Funktionen von Pandoras Box die Arbeit von Bifield. „Statt die Inhalte über Pandoras Box zu verarbeiten, konnten wir einen Mac, ein Video oder eine Kamera mit Pandoras Box verbinden und diese als Live-Inhalte nutzen. Die Anzeige auf Pandoras Box stimmt haargenau mit dem Bildschirm des Mac überein. Perfekt. Das Gute ist, dass es keine Verzögerung gibt. Das Bild wird in Echtzeit angezeigt, sodass alle Tonspuren absolut synchron sind.“

Durch weiche Überblendung konnten Farbe und Helligkeit des Bildes an der Verbindungsstelle genau abgeglichen werden. „Die präzise Überblendung am Rand nahm anfangs etwas Zeit in Anspruch, doch schon bei der zweiten oder dritten Installation konnte die Bearbeitung sehr schnell und dennoch detailgetreu durchgeführt werden. Durch Interlock hat sich also der unglaubliche Fortschritt und die Schnelligkeit der Überblendung am Rand mit Pandoras Box gezeigt. Eine sehr nutzerfreundliche Lösung“, so Bifield.

 

Die Wunder des Widget Designers

Sie können die Mitglieder der Pandoras Box-Community fragen: Sie alle schwärmen – unaufgefordert – vom Widget Designer. Auch Bifield ist ein Fan. “Mithilfe des Widget Designer kann ich die Projektoren und Inhalte steuern. Ich kann Zeitpläne und Ereignisse erstellen, um die Projektoren automatisch zu voreingestellten Zeiten anzuschalten. Die Projektoren werden beispielsweise 8:00 Uhr morgens automatisch angeschaltet und 23:00 Uhr abends automatisch ausgeschaltet. Ich benötige also für diesen Arbeitsschritt keine Mitarbeiter.“

Die umfassende Automatisierung bietet noch andere Vorteile im Barbican Centre. „Wenn wir eine kommerzielle Veranstaltung durchführen, bei der die Projektoren um 16:00 Uhr ausgeschaltet werden müssen, um den Inhalt auszutauschen und sie um 18:00 Uhr wieder anzuschalten, lässt sich das in Sekunden programmieren“, erklärt Bifield.

Bifield lobt auch die aktuelle Version, V6, die eine Google-ähnliche Suchfunktion beinhaltet. Dadurch können Nutzer auch ohne umfassende Programmierkenntnisse unabhängig arbeiten. „Wenn ich beispielsweise Inhalte ab 10:00 Uhr abspielen möchte, tippe ich nur das Wort „abspielen“ ein und erhalte eine Liste von Vorschlägen. Sollte ich dennoch eine Frage haben, antworten mir die Mitarbeiter in Deutschland binnen 24 Stunden. Die Nutzung gestaltet sich also sehr einfach.“ Normalerweise müssen Effekte im Vorfeld bearbeitet werden. Hier können jedoch auch unverarbeitete Inhalte eingefügt und im Verlauf des Prozesses angepasst werden, sodass man nicht zur Bearbeitungsphase zurückkehren muss.

„Der Widget Designer beeindruckt mich immer wieder mit seinen Funktionen. Er kann jede erdenkliche Aktivität auf irgendeine Art und Weise steuern. Unglaublich“, schließt Bifield.

 

Die Schulung: 100 Prozent maßgeschneidert – 100 % anwendbar

Vor kurzem hat Bifield an der Pandoras Box-Schulung in Köln teilgenommen und sagte: „Am meisten hat mich das Engagement und die Leidenschaft der der Mitarbeiter beindruckt und hatte gleich das Gefühl, Teil einer Community zu sein.“

Auf der rein praktischen Seite bemerkt Bifield, dass die Schulung genau auf seine Bedürfnisse zugeschnitten war: „Die Räumlichkeiten waren großartig, und Dave, der Schulungsleiter, ist ein Pandoras Box-Nutzer. Er konnte den Kurs also in Bezug auf unsere Fragen strukturieren. Die vier Tage waren unglaublich produktiv.“